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Bildbände, Magazine und Literatur

VIEW - Neues Magazin aus dem GuJ Verlag - Werbung mit Bildern.

09. Oktober 2005

Unter dem Titel ”VIEW - Die Bilder des Monats” hat der Gruner und Jahr Verlag ein neues Magazin herausgebracht. Der Fotointeressierte könnte damit die vage Hoffnung hegen, dass es wieder ein Magazin geben können, welches sich so stark dem Fotojournalismus widmet, wie es das amerikanische “Life Magazine” tat. Heute weniger bekannt, aber zur gleichen Zeit wie “Life Magazine” war “Look” auf dem Markt. Gegen Ende war “Look” sogar auflagenstärker als “Life Magazine”. Beides Magazine sind 1971 bzw. 1972 den bewegten Bilder des Fernsehens zum Opfer gefallen und damit alle Publikationen, die auf Fotojournalismus basieren. Die gewisse Ähnlichkeit zwischen den Titeln “View” und “Look” mag nur Zufall sein, aber “View” steckt seine Ziele hoch. Wie sie selbst über sich schreiben:

“VIEW - die Bilder des Monats, stellt die Faszination spektakulärer Momentaufnahmen konsequent in den Mittelpunkt, [...]” (Quelle: view-magazin.de)

oder in der Redaktionsvorstellung der ersten Ausgabe, die ich mir mit einer gewissen Erwartungshaltung am Erscheinungstag zugelegt habe, schreiben sie:

“Viele Einzelne formen ein Ganzes. In VIEW steckt die Arbeit unzähliger Fotografen [...]” (Quelle: VIEW Magazin, Oktober 2005, S. 18)

Warum diese Arbeit der Fotografen aber mit einer derart schlechten Druckqualität auf labbrigem Billigpapier herabgewürdigt wird, bleibt mir ein Rätsel, Farbsäume, Artefakte oder die, vom Fotograf bewusst eingesetzte Filmkörnung, verkommt zu grausam hässlichen Flecken.

Einen schalen Beigeschmack hat auch, dass, bevor ich das erste richtige fotojournalistische Bild sehe, erst einmal 14½! Seiten Werbung überblättern muss. Die erste Seite ist mitnichten das Inhaltsverzeichnis oder das Editorial, sondern eine doppelseitige Anzeige! Diese Werbeüberfrachtung erzeugte bei mir schon im Laden den mühsam unterdrückten Reflex, das Magazin wieder auf den Stapel zurück zu legen. Ich bin kein Typografieexperte, aber wer sich diese vermeintlich kreative Typo am Anfang mancher Artikel ausgedacht hat, sollte über einen Jobwechsel nachdenken. Die Schriftgrösse des Artikeltexts beginnt mit der der Überschrift und wird mit jeder Zeile ein paar Punkte kleiner bis zu der der normalen Schriftgrösse das Artikelfliessttextes. So muss man sich beim Lesen immer wieder beherrschen, um nicht sofort mit der Lektüre abzubrechen und weiter zu blättern.

VIEW wirkt wie ein Magazin, mit dem möglichst billig und leicht verdaulich die übrig gebliebenen Bilder aus den anderen GuJ Publikationen dazu zu verwenden, um Anzeigenplätze zu verkaufen. Die Netzzeitung zitiert Tom Jacobi den Redaktionsleiter von “VIEW”:

“Die neue Zeitschrift ist nach Angaben von Jacobi aus der Erfahrung heraus entstanden, dass beim «Stern» jeden Tag 4000 bis 5000 Fotos eingehen. Aber nicht alle guten Fotos könne der «Stern» auch bringen. Daraus sei die Idee hervorgegangen, ein eigenständiges Blatt mit Foto-Schwerpunkt zu gestalten, sagte Jacobi.” (Quelle: Netzzeitung)

Gute journalistische Bilder in der Zweitverwertung. Ich hoffe, die Ähnlichkeit des Titels von “VIEW” zu “Look” ist wirklich nur Zufall. Ein gutes “fotojournalistisches” Magazin ist “VIEW” auf keinen Fall. Wir warten also weiter…

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