28. Juni 2005
Die Frage der Freiheit der Betrachter bei der Interpretation von Fotografien war in den letzten Tage hier ein Schwerpunkt, einmal in den Kommentaren zum Artikel zu Valérie Wagner Projekt “Diesseits” und einmal im Artikel den ich zu diesem Thema verfasst habe.
Das Projekt Klubfoto nähert sich der Thematik von der anderen Richtung. Die spannende Vielfalt ergibt sich hier nicht durch die verschiedenen Interpretationen der Betrachter einer Arbeit, sondern durch die unterschiedliche Interpretation verschiedener Fotografen zu einem Thema. Bei Klubfoto handelt es sich nicht um ein Wettbewerb, dessen Ergebnis ein ähnliche Richtung haben könnte, sondern um ein Projekt, bei dem die Vielfalt dadurch gefördert wird, dass bewusst Fotografen verschiedener Stilrichtung, von Mode über Werbung und Journalismus bis hin zur Kunstfotografie, eingeladen werden sich mit einem Thema auseinander zu setzten. Die Vorgabe des Themas erfolgt lediglich durch ein Wort. Die zugehörige Ausstellung in Hamburg ist zwar schon beendet, aber alle Arbeiten, auch die vergangener Themen, sind im Internet zugänglich.
Das aktuelle Thema lautet “Respekt”. Genauso vielfältig wie die Assoziationen, die einem selbst beim Lesen dieses Wortes in den Sinn kommen, sind die Arbeiten der 62 Fotografen, vielleicht sogar darüber hinaus. Die Vielfalt beginnt bei der sehr bodenständigen und einfachen, aber deswegen nicht schlechten, Interpretation von Reinhard Hunger. Er versucht nicht seiner Arbeit den politischen oder gesellschaftlichen Aspekt zu verleihen, nach dem dieses Thema förmlich schreit. Seine Arbeit symbolisiert den einfachen Ausspruch “Respekt, der auf den Lippen liegt, wenn jemand in der nächsten örtlichen und zeitlichen Umgebung eine respektable Leistung erbracht hat. Wie der Bowlingspieler, der den “Strike” geworfen hat, der das Motiv von Reinhard Hunger bildet. Andere Arbeiten, wie zum Beispiel die von Marion Beckhäuser, Jörg Gläscher oder Andre Zelck, trennen Respekt zumindest zum Teil vom Bild des Menschen. So ist der Respekt zweier Hunde untereinander oder des Menschen gegenüber dem Tier zu sehen. Erwähnenswert ist hier die Arbeit von Andre Zelck, die einen kleinen Jungen Zeit, der fasziniert aber mit respektvollem Abstand vor einem Reh steht. Die letzte Gruppe bilden die Arbeiten, die sich mit allen Formen des menschlichen und zwischenmenschlichen Respekts befassen. Vom schlichten etwas altmodischem Gruss zweier älterer Herren bei der Begegnung auf der Strasse als Zeichen des gegenseitigen Respekt in der Arbeit von Tobias Bergunde, über den Respekt der Menschen einer Gruppe, bis hin zum Respekt für Menschen die ihr Schicksal meistern.
Interessant ist wie viel verschieden Interpretation die Fotografen zu diesem Thema zusammengetragen haben. Vor allem interessant finde ich die einfachen Interpretationen ohne den Versuch den Bilder einen politisch und gesellschaftlich hochtrabenden Hintergrund zu geben, zu dem diese Thema verleiten kann. Ebenso sind diese interessant, die “Respekt” vom Mensch als Motiv trennen. Gerade diese beiden Gruppen runden das Gesamtprojekt ab.
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