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Zeitgenössische Deutsche Fotografie

Gute Aussichten - Junge deutsche Fotografie

23. Januar 2006

Gute Aussichten, der 2004 aus der Taufe gehobene bundesdeutsche Wettbewerb für Diplomarbeiten aus fotografischen Fachbereichen, zeigt sich erfolgreich im zweiten Jahr. Aus den 94 Einsendungen, gegenüber 60 Einsendungen zur ersten Austragung, wählte die Jury 13 Arbeiten aus. Eine Ausstellung der Wettbewerbsgewinner befindet zur Zeit auf Tournee durch Deutschland. Nach dem Start in Berlin sind die Arbeiten noch bis zum 29.01.06 in dem Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Als nächstes folgen Dortmund, Frankfurt und München. Zudem sind, dank einer Kooperation mit dem Goethe Institut, ausgewählte Arbeiten der Jahre 2004 - 2006 in Rabat, Washington, Casablanca und Algier zu sehen. Genauere Informationen zu Orten und Terminen bietet die Internetseite des Wettbewerbs, genauso wie Arbeiten aller Gewinner.

Die ausgezeichneten Fotografien spannen den Bogen von serieller Fotografie über essayistische Inszenierung, wie in Bettina Metzens Serie „Selbstgespräche mit dem Universum“, die deutliche Inspiration an Gregory Crewdson zeigt, bis zu medienreflexsiven Arbeiten hin zur Untersuchung der Darstellungen des dreidimensionalen Raums im zweidimensionalen Bild in Walter Wildangers „Innen-Aussen 2005“. Experimente zur Wahrnehmungspsychologie zeigt Claudia Christoffel. Dazu überklebte sie in „Gaffadream 2005“ entscheidende Teile ihre Bilder mit Klebeband. Die Neugier auf Verborgenes tritt in der Vordergrund. Eindrucksvoll zeigt sich die Abhängigkeit der Menschen vom Sichtbaren. Zusammen mit Delia Kellers filmisch fotografischer Umsetzung Marie Luise Kaschnitzs „Eisbären“ und Kathi Schröders Wandarbeit aus verwobenen Bildstreifen inspiriert von Max Frischs „Stiller“ bietet sich eine spannende Endeckungsreise von klassischer Fotografie bis hin zu kreativen Technikmixturen.

Henning Rogge setzt sich in seiner Serie „Schauinsland“ mit deutschen Aussichtspunkten auseinander. Wie diese Landschaft effizient in kleine vorgefertigte Häppchen aufbereitet ist, von dort muss der Blick am schönsten sein. Eine Auseinandersetzung und selbst Sehen ist nicht mehr nötig, ebenso wenig, wie ein umständliches Erreichen der Punkte. Parkplätze, Wege und Holzplattformen erlauben das Erleben der Landschaft mit großstädtischem Komfort. Nur wenige der Personen auf den Arbeiten weichen von der vorgegebenen Blickrichtung ab.

Ebenfalls mit den Folgen des Versuchs großstädtischen Komfort in die weite Landschaft zu bringen, beschäftigt sich Robert Voit in „Enchanted Wood 2003 bis 2005“. Die Evolution der Bäume findet seiner Meinung nach den vorläufigen Endpunkt in den als künstliche Bäume getarnte Mobilfunkmasten, die die Sujets seiner Werke darstellen. Das ganze entwickelt sich zu einem skurril befremdlichen Motiv des Eindringen menschlichen Fortschritts in die Natur.

Christian Wolter dokumentiert in „Blühende Landschaften 2005“ ostdeutsche Bauruinen, Leerstände und unfertige Strassen 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Absurde Leere verdichtet sich mit dem Eindruck der Misswirtschaft zu bizarr ästhetischen Landschaftsbilder.

Gute Aussichten bietet einen interessanten Rundblick in die derzeitige junge, zeitgenössische deutsche Fotografie.

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