01. Februar 2005
Am Wochenende habe ich die Eröffnung der Fotoausstellung ”Das Land der Griechen mit der Seele suchen” im Hamburger Jenisch Haus besucht. Obwohl die 3. Triennale der Photographie offiziell erst am 14. April eröffnet wird, ist diese Ausstellung bereits ein Teil davon. Das Motto der Triennale “Archiv der Gegenwart” versteht sich als der Weg von der historischen Fotografie zur Digitalfotografie der Gegenwart. Die Arbeiten der Ausstellung im Jenisch Haus erstanden alle in der Zeit von 1850 bis 1865, kurz nach der eigentlichen Erfindung der Fotografie um 1840. Die Ausstellung steht damit für den Beginn der Fotografie im Rahmen der Triennale.
Alle geschichtlich Interessierte finden Bilder des Griechenland im späten 18. Jahrhundert. Für Fotografieinteressierte bietet die Ausstellung zwei Aspekt, die in der offiziellen Beschreibung, die den Schwerpunkt auf die griechische Historie legt, zu kurz kommen. Einmal die eigentliche Technik der Fotografie so kurz nach ihrer Entstehung. Alle Bilder sind Originale auf Silberpapier und man staunt mit welcher Schärfe und Zeichnung damals schon abgebildet werden konnte. Auch war die Fotografie zu jener Zeit eine beschwerliche Angelegenheit. Die Apparate waren gross, unhandlich und schwer. Dazu musste der Fotograf allerhand Chemikalien und weitere Ausrüstung mit sich führen. Besonders interessant sind die beiden ausgestellte original Apparate der damaligen Zeit. Bei liegen nicht einfach in Vitrinen, sondern sind so auf ein Fenster ausgerichtet, dass sie einen Teil des umgebenen Jenisch Parks abbilden. So kann man sich einen guten Eindruck machen, unter welchen Bedingung die Fotografen ihren Ausschnitt festlegten und die Schärfe bestimmten, mit seitenverkehrtem und auf dem kopfstehendem Sucherbild.
Der zweite Aspekt ist die Bildgestaltung. Griechenland wurde von vielen Denkern als Ideal geträumt. Jedoch war dieses Ideal weit entfernt von der Realität in Griechenland um 1850. Viele der Denker sahen jedoch keinen Grund das Land tatsächlich zu besuchen, sondern bildeten ihr Wissen aus Erzählungen, Gemälden und spärlichen Reiseberichten. Vor diesem Zwiespalt sehen sich Fotografen, die sich auf die Reise nach Griechenland machten. Die Definition ihres neuen Mediums, die Welt realistisch abzubilden, stand gegenüber dem Wunschdenken vermeintlicher Käufer der Werke. So beschränken sich die Motive meist auf Ruinen antiker Bauwerke, aus denen störende Elemente, wie moderne Bauten, per Retusche entfernt wurden. Nur vereinzelt findet man daneben Aufnahmen der Städte neben den historischen Ruinen oder Bilder von Mauern, die aus simple mit Mörtel zusammengesetzten Teilen der Ruinen bestanden.
Gerade vor dem Hintergrund dieses Zwiespalts finde ich die Betrachtung der Ausstellung besonders interessant. Daneben sind natürlich auch die Bilder aus der Geburtsstunde der Fotografie begeisternswert, besonders ihre Qualität.
Jenisch Haus, Baron-Voght-Strasse 50, 22609 Hamburg
29. Januar bis 15. Mai 2005
Dienstags bis Sonntag 11 bis 18 Uhr
Portal für Reisen schrieb am 21. März 2009 um 00:26 Uhr:
.