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Reportagefotografie

Alex Majoli - Der Fotograf macht die Bilder und nicht die Kamera

22. Juli 2005

Man kann es nicht oft genug betonen, der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera. Klingt einleuchtend, aber eine Gruppe, hauptsächlich angesiedelt in der Digitalfotografie, sieht das nicht so. Im Irrglauben nur mit der teuersten Luxusausrüstung liessen sich gute Fotos zu Stande bringen, diskutieren sie in epischer Breite vor jedem Kauf Stunden in einschlägigen Internetforen, welche Ausrüstungsgegenstände die absolut besten sind. Selbst marginale Unterschiede werden aufgeblasen. Nach dem Kauf wird die Zeit nicht mit der eigenen kreativen Arbeit, sondern mit stundenlangen Testsessions verbracht. Die Motive sind vorzugsweise Schrauben, Flaschen und andere Testaufbauten. Für die gestalterische Arbeit bleibt so selbstverständlich keine Zeit mehr, ist aber auch nicht wichtig, so lange die Ausrüstung die richtige ist. In die Ergebnisse der Tests werden, meist nicht vorhandene, Unzulänglichkeiten der gerade erworbenen Gegenstände “hineininterpretiert” und diese unzulängliche Qualität wiederum in der gleichen epische Breite wie vorher diskutiert. Die wirkliche fotografische Arbeit wird zur Nebensache. Für die Benutzer billigerer Ausrüstung bleibt nur ein verächtlicher Blick übrig. Damit lassen sich ja keine guten Bilder anfertigen!

Dieses Weltbild mit dem Fetisch luxuriöser Digitalkameras als Basis guter Bilder hebt der Magnum-Fotograf Alex Majoli komplett aus den Angeln. Er zeigt Fotojournalismus der Spitzenklasse mit ausdrucksstarken Arbeiten. Aufgenommen in China, im Kongo oder im Irak. Diese atemberaubenden Bilder entstehen nicht mit einer “professionellen” Kameraausrüstung, sondern er verwendet einfache, digitale Kompaktkameras, keine Spiegelreflex, nicht mal einen externen Blitz . Auch von einigen Kollegen belächelt, nennt er als Grund sein Interesse daran, eine Kamera zu finden, die es im ermöglicht auf neuen Wegen auf seine Motive zuzugehen. Aber auch des Gewicht spielt für ihn eine Rolle. Sechs seiner Kompaktkameras wiegen in etwa so viel wie eine 1D Mark II, das grosse Profimodell von Canon. (via Rob Galbraith)

Seine Arbeiten geben ihm mehr als Recht, ebenso wie seine Auszeichnungen (z.B. Magazine Photographer of the Year), und sollten sowohl die spottenden Kollegen als auch die technikverliebten Amateure zum Schweigen und Nachdenken bringen.

Alex Majoli zeigt eindrucksvoll: Der Fotograf macht die Bilder und nicht die Kamera.

Kommentare

christian schrieb am 26. Juli 2005 um 17:59 Uhr:

wobei die benutzen kameras schon sehr gute kameras sind (olympus5050 5060 und 8080). auf jedenfall gehören sie nicht in die kategorie 100eur knippsmaschine. ach ich bin schon wieder zu technikverliebt ;-)

bytebaby schrieb am 27. Juli 2005 um 13:02 Uhr:

Wenn man sich drauf einläßt, wird man auch mit einer “Knippsmaschine” beeindruckende Fotos machen können, das is auch der Witz des Artikels. ;-)

Andreas schrieb am 30. Oktober 2006 um 09:12 Uhr:

Ich persönlich bin ein absoluter DSLR-Fan und möchte meine Nikon auch nicht missen. Allerdings kann ich auch sehr gut nach voll ziehen, das man lieber mit einer kleineren und auch leichteren Kompacktkamera unterwegs ist. Das mit einer solchen ebenfalls sehr, sehr gute Bilder gemacht werden können ist unbestritten.

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