03. Juli 2005
Unter dem Titel ”ausgezeichnet” werden im Gruner + Jahr Pressehause in Hamburg die Preisträger des diesjährigen 17. BFF-Förderpreis & Reinhart-Wolf-Preis und des 19. Kodak Förderpreises gezeigt. Schön für alle Fotointeressierten, der Eintritt ist frei. Den Katalog zur Ausstellung, der leider nicht alle Bilder der Ausstellung enthält dafür Texten über die Arbeit der Jury, gibt es für 10€.
Als “Best of the Best” wurde Dirk Brömmel mit seiner Arbeit “kopfüber II” ausgezeichnet. Mit einer Kombination aus Fotografie und digitaler Bildbearbeitung hat er Ausflugsschiffe aus einer ungewöhnlichen Perspektive aufgenommen. Alle Bilder zeigen den Blick aus der Vogelperspektive direkt nach unten auf die Schiffe. Chris Graham hat aus 900 Bildern seine fotografische Multimediainstallation “Flugshow” erstellt. Das grundlegende Thema der Arbeit sind die Menschen während eines Fluges. Der Betrachter kann mit den Bildern interagieren in dem er durch die Auswahl einer Person auf dem Bild bestimmt mit welchen Strang er die Betrachtung fortsetzt. Durch dynamisches Bewegen der Unschärfe auf den Bilder wird der Fokus auf den Strang einer Person visualisiert. Mit seiner Arbeit “ZwischenZeit” dokumentiert Frank Herford Personen, die im öffentlichen Raum in Moskau in einer seltsam melancholischen Warteposition verharren. Grit Hachmeister zeigt mit „Wenn du mich nicht siehst, wirst du mich vermissen“ eine von Menschen künstlich geschaffene heile Welt die langsam Risse bekommt. Diese in Gedanken imaginäre Scheinwelt symbolisiert sie, indem lediglich die ausgestopft Kleidung der Person ohne Kopf zu sehen ist. Die Risse zeigen sich in den Figuren, die entweder einsam in der Ecke zu sitzen oder den Suizid planen oder schon begangen zu haben scheinen. Malin Schultz und Sina Preikschat zeigen in “Schönheit” dem Blick der Modell in einen Spiegel als einen Blick in das Privateste und Intimste eines Individuums. Dirk Müggendorf findet mit “Die Adam-Perspektive” Blicke auf die Natur als neutrale Zone zwischen Krieg und Spannungen in Israel. Dabei sind die Arbeiten zu keiner Zeit politisch oder religiös motiviert. Martin Schlüter zeigt in seiner inszenierten Dokumentation die Bewohner der litauischen Stadt Visaginas, deren Leben mit der Abschaltung des dortigen Kernkraftwerks in eine unbekannte, wenig positive Zukunft geht. Alexander Dey drückt mit seinen Fotografien in „Monodie“ den Konflikt aus, den jeder Menschen mit sich selbst ausficht. Dazu hat er in den Bildern den Gegenpart durch eine exakt gleich wie das Sujet aussehende Puppe symbolisiert.
Zwei Arbeiten möchte ich besonders herausstellen. Als erstes die Arbeit “Photo Synthesen” von Katrin Binner. Sie hat ihre Arbeiten vor dem Hintergrund erstellt, dass die heutige Fotografie angesichts der Möglichkeiten digitale Bildbearbeitung immer mehr an Glaubwürdigkeit in der realen Darstellung verlieren. Um so mehr hat sie bei der Produktion stark auf den Realismus hin gearbeitet hat. Alle Arbeiten sind nach vorherigen Skizzen auf analogen Filmen aufgenommen worden. Ihre Intention transportiert sie durch die Irritation des Betrachters. Auf den ersten Blick scheinen die Bilder alles andere als Real, sondern als Ergebnis umfangreicher Arbeit am Computer. Wer sich die Zeit nimmt, die Fotografien detailliert zu betrachtet stellt aber fest, dass alles was künstlich erscheint, real ist. Die scheinbar roten Filzstiftstriche, die wie nachträglich über das Bild gekritzelt aussehen, sind reale rote Fäden. Die in unnatürlicher Haltung nachträglich eingefügt scheinenden Beine auf der Fotografie eines Mannes, sind in Wirklichkeit die ganz und gar realen Arme des Models.
Die Zweite erwähnenswerte Arbeit ist “Road Train” von Alexander Babic. Er war in Australien und Südafrika unterwegs und hat die Fahrer der riesigen Lastwagen, die dort durch die karge Landschaft fahren, porträtiert. Neben der farbigen Aufnahme des LKWs sind die schwarz/weissen Portraits der Fahrer angeordnet. Alle Portraits sind vor einem weissen Hintergrund aufgenommen. Die sonst als bärige Raubeine scheinenden Fahrer zeigen in ihrer Emotion und Verletzlichkeit eine ganz andere Seite, die reale Seite dieser Menschen, gezeichnet von harter Arbeit und Trennung von Familie und Freunde in der Einsamkeit der weiten Leere. Wunderschöne Arbeiten geprägt von einer schlichten, präzisen atmosphärischen Dichte.
Leider sind nur einige der Arbeiten online zu sehen. Bei Stern Fotografie finden sich einige der Fotografien, auch, wenn sie sich besonders bei “Road Train” von der paarweisen Anordnung in der Ausstellung unterscheiden und damit an Wirkung verlieren. Einige weitere Bilder finden sich auf der Seite des BFF unter Awards > Die ausgezeichneten Diplomarbeiten > Die Bilder. Ich rate deshalb sich die Arbeit bei Gruner + Jahr selbst anzusehen.