08. Juli 2006
Während die Kamerahersteller versuchen ihre Produkte immer kleiner zu bekommen geht das Projekt “The Great Picture” des ”The Legacy Project” (Unter “projects/exhibition") genau in die entgegengesetzte Richtung.
“The Legacy Project” an sich hat es sich zur Aufgabe gemacht die Umwandlung der “El Toro Marine Corps Air Station” in einen der grössten amerikanischen Parks dokumentarisch zu begleiten. 2002 gestarted wollen die Foto- und Videokünstler ein besonderes Zeitzeugnis bis zu Fertigstellung des Parks schaffen.
“The Great Picture” ist eines der Projekte im Rahmen der Dokumentation. Gross meint hier wirklich gross. Als Kamera dient ein zu Lochkamera umgebautes Flugzeughangar. Als Film dient ein 25’ x 100’ (ca. 7,5m x 30m) lichtempfindlich beschichtetes Stoffgewebe. Die Belichtungszeit wird lange 14 Tage betragen. Der Start die Projekts ist mit Juni 2006 angeben. Bis jetzt fehlt noch ein digitales Version des Ergebnisses auf der Internetseite des Projekte. Aber angesichts der langen Belichtungszeit und des fehlenden genauen Starttermins kann es auch sein, dass die Aufnahme noch mitten in der Entstehung ist. Ein Blick in den nächsten Tagen auf die Seite könnte interessant werden.
In der Zwischenzeit kommen die Freunde kühler, geometrischen Arbeiten und Industriefotografie auf ihre Kosten. Die Galerie zeigt die Arbeit, die die Künstler des Projekts, alles namhafte Fotokünstler, bereits geleistet haben. Ein Blick lohnt sich…
12. Juli 2005
Die Arbeit ”Age-Maps” von Bobby Neel Adams offenbart sich auf den ersten Blick als surrealistisch bis hin zu gespenstisch. Doch die Kompositfotografien haben einen eher anthropologisch Hintergrund, auch wenn er sich bei der Gestaltung mehr an Künstler von Picasso und seine verschobenen Gesichter orientiert hat als an den wissenschaftlichen Kompositfotografen des 19. Jahrhunderts und zugegebener Massen doch gewisse gespenstische Züge tragen. Bobby Neel Adams hat Fotografien ein und derselben Person einmal in Kindesalter und einmal als Erwachsener zusammengefügt. Dabei hat er in der Ausführung seiner Arbeiten Wert darauf gelegt, dass die Posen der zusammengefügten Bildern gleich oder zumindest so ähnlich sind, um diese wirkungsvoll zu einem Bild vereinen zu können. In dem die abgebildete Person trotz zwei Bildteilen einheitlich, komplett und fast natürlich wirkt. Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Kompositfotografien hat er sich dabei nicht auf ein einfaches Fontralportrait beschränkt, sondern auf der Basis des Jugendfotos gearbeitet und damit Vielzahl verschiedener Posen erhalten. Der Übergang zwischen den einzelnen Bildteilen hat Bobby Neels Adams als Risskante ausgearbeitet, um an diesem Riss den Sprung der Zeit zu symbolisieren.
03. Juli 2005
Unter dem Titel ”ausgezeichnet” werden im Gruner + Jahr Pressehause in Hamburg die Preisträger des diesjährigen 17. BFF-Förderpreis & Reinhart-Wolf-Preis und des 19. Kodak Förderpreises gezeigt. Schön für alle Fotointeressierten, der Eintritt ist frei. Den Katalog zur Ausstellung, der leider nicht alle Bilder der Ausstellung enthält dafür Texten über die Arbeit der Jury, gibt es für 10€.
Als “Best of the Best” wurde Dirk Brömmel mit seiner Arbeit “kopfüber II” ausgezeichnet. Mit einer Kombination aus Fotografie und digitaler Bildbearbeitung hat er Ausflugsschiffe aus einer ungewöhnlichen Perspektive aufgenommen. Alle Bilder zeigen den Blick aus der Vogelperspektive direkt nach unten auf die Schiffe. Chris Graham hat aus 900 Bildern seine fotografische Multimediainstallation “Flugshow” erstellt. Das grundlegende Thema der Arbeit sind die Menschen während eines Fluges. Der Betrachter kann mit den Bildern interagieren in dem er durch die Auswahl einer Person auf dem Bild bestimmt mit welchen Strang er die Betrachtung fortsetzt. Durch dynamisches Bewegen der Unschärfe auf den Bilder wird der Fokus auf den Strang einer Person visualisiert. Mit seiner Arbeit “ZwischenZeit” dokumentiert Frank Herford Personen, die im öffentlichen Raum in Moskau in einer seltsam melancholischen Warteposition verharren. Grit Hachmeister zeigt mit „Wenn du mich nicht siehst, wirst du mich vermissen“ eine von Menschen künstlich geschaffene heile Welt die langsam Risse bekommt. Diese in Gedanken imaginäre Scheinwelt symbolisiert sie, indem lediglich die ausgestopft Kleidung der Person ohne Kopf zu sehen ist. Die Risse zeigen sich in den Figuren, die entweder einsam in der Ecke zu sitzen oder den Suizid planen oder schon begangen zu haben scheinen. Malin Schultz und Sina Preikschat zeigen in “Schönheit” dem Blick der Modell in einen Spiegel als einen Blick in das Privateste und Intimste eines Individuums. Dirk Müggendorf findet mit “Die Adam-Perspektive” Blicke auf die Natur als neutrale Zone zwischen Krieg und Spannungen in Israel. Dabei sind die Arbeiten zu keiner Zeit politisch oder religiös motiviert. Martin Schlüter zeigt in seiner inszenierten Dokumentation die Bewohner der litauischen Stadt Visaginas, deren Leben mit der Abschaltung des dortigen Kernkraftwerks in eine unbekannte, wenig positive Zukunft geht. Alexander Dey drückt mit seinen Fotografien in „Monodie“ den Konflikt aus, den jeder Menschen mit sich selbst ausficht. Dazu hat er in den Bildern den Gegenpart durch eine exakt gleich wie das Sujet aussehende Puppe symbolisiert.
Zwei Arbeiten möchte ich besonders herausstellen. Als erstes die Arbeit “Photo Synthesen” von Katrin Binner. Sie hat ihre Arbeiten vor dem Hintergrund erstellt, dass die heutige Fotografie angesichts der Möglichkeiten digitale Bildbearbeitung immer mehr an Glaubwürdigkeit in der realen Darstellung verlieren. Um so mehr hat sie bei der Produktion stark auf den Realismus hin gearbeitet hat. Alle Arbeiten sind nach vorherigen Skizzen auf analogen Filmen aufgenommen worden. Ihre Intention transportiert sie durch die Irritation des Betrachters. Auf den ersten Blick scheinen die Bilder alles andere als Real, sondern als Ergebnis umfangreicher Arbeit am Computer. Wer sich die Zeit nimmt, die Fotografien detailliert zu betrachtet stellt aber fest, dass alles was künstlich erscheint, real ist. Die scheinbar roten Filzstiftstriche, die wie nachträglich über das Bild gekritzelt aussehen, sind reale rote Fäden. Die in unnatürlicher Haltung nachträglich eingefügt scheinenden Beine auf der Fotografie eines Mannes, sind in Wirklichkeit die ganz und gar realen Arme des Models.
Die Zweite erwähnenswerte Arbeit ist “Road Train” von Alexander Babic. Er war in Australien und Südafrika unterwegs und hat die Fahrer der riesigen Lastwagen, die dort durch die karge Landschaft fahren, porträtiert. Neben der farbigen Aufnahme des LKWs sind die schwarz/weissen Portraits der Fahrer angeordnet. Alle Portraits sind vor einem weissen Hintergrund aufgenommen. Die sonst als bärige Raubeine scheinenden Fahrer zeigen in ihrer Emotion und Verletzlichkeit eine ganz andere Seite, die reale Seite dieser Menschen, gezeichnet von harter Arbeit und Trennung von Familie und Freunde in der Einsamkeit der weiten Leere. Wunderschöne Arbeiten geprägt von einer schlichten, präzisen atmosphärischen Dichte.
Leider sind nur einige der Arbeiten online zu sehen. Bei Stern Fotografie finden sich einige der Fotografien, auch, wenn sie sich besonders bei “Road Train” von der paarweisen Anordnung in der Ausstellung unterscheiden und damit an Wirkung verlieren. Einige weitere Bilder finden sich auf der Seite des BFF unter Awards > Die ausgezeichneten Diplomarbeiten > Die Bilder. Ich rate deshalb sich die Arbeit bei Gruner + Jahr selbst anzusehen.
28. Juni 2005
Die Frage der Freiheit der Betrachter bei der Interpretation von Fotografien war in den letzten Tage hier ein Schwerpunkt, einmal in den Kommentaren zum Artikel zu Valérie Wagner Projekt “Diesseits” und einmal im Artikel den ich zu diesem Thema verfasst habe.
Das Projekt Klubfoto nähert sich der Thematik von der anderen Richtung. Die spannende Vielfalt ergibt sich hier nicht durch die verschiedenen Interpretationen der Betrachter einer Arbeit, sondern durch die unterschiedliche Interpretation verschiedener Fotografen zu einem Thema. Bei Klubfoto handelt es sich nicht um ein Wettbewerb, dessen Ergebnis ein ähnliche Richtung haben könnte, sondern um ein Projekt, bei dem die Vielfalt dadurch gefördert wird, dass bewusst Fotografen verschiedener Stilrichtung, von Mode über Werbung und Journalismus bis hin zur Kunstfotografie, eingeladen werden sich mit einem Thema auseinander zu setzten. Die Vorgabe des Themas erfolgt lediglich durch ein Wort. Die zugehörige Ausstellung in Hamburg ist zwar schon beendet, aber alle Arbeiten, auch die vergangener Themen, sind im Internet zugänglich.
Das aktuelle Thema lautet “Respekt”. Genauso vielfältig wie die Assoziationen, die einem selbst beim Lesen dieses Wortes in den Sinn kommen, sind die Arbeiten der 62 Fotografen, vielleicht sogar darüber hinaus. Die Vielfalt beginnt bei der sehr bodenständigen und einfachen, aber deswegen nicht schlechten, Interpretation von Reinhard Hunger. Er versucht nicht seiner Arbeit den politischen oder gesellschaftlichen Aspekt zu verleihen, nach dem dieses Thema förmlich schreit. Seine Arbeit symbolisiert den einfachen Ausspruch “Respekt, der auf den Lippen liegt, wenn jemand in der nächsten örtlichen und zeitlichen Umgebung eine respektable Leistung erbracht hat. Wie der Bowlingspieler, der den “Strike” geworfen hat, der das Motiv von Reinhard Hunger bildet. Andere Arbeiten, wie zum Beispiel die von Marion Beckhäuser, Jörg Gläscher oder Andre Zelck, trennen Respekt zumindest zum Teil vom Bild des Menschen. So ist der Respekt zweier Hunde untereinander oder des Menschen gegenüber dem Tier zu sehen. Erwähnenswert ist hier die Arbeit von Andre Zelck, die einen kleinen Jungen Zeit, der fasziniert aber mit respektvollem Abstand vor einem Reh steht. Die letzte Gruppe bilden die Arbeiten, die sich mit allen Formen des menschlichen und zwischenmenschlichen Respekts befassen. Vom schlichten etwas altmodischem Gruss zweier älterer Herren bei der Begegnung auf der Strasse als Zeichen des gegenseitigen Respekt in der Arbeit von Tobias Bergunde, über den Respekt der Menschen einer Gruppe, bis hin zum Respekt für Menschen die ihr Schicksal meistern.
Interessant ist wie viel verschieden Interpretation die Fotografen zu diesem Thema zusammengetragen haben. Vor allem interessant finde ich die einfachen Interpretationen ohne den Versuch den Bilder einen politisch und gesellschaftlich hochtrabenden Hintergrund zu geben, zu dem diese Thema verleiten kann. Ebenso sind diese interessant, die “Respekt” vom Mensch als Motiv trennen. Gerade diese beiden Gruppen runden das Gesamtprojekt ab.
25. Juni 2005
Ich hatte die Ehre mit Valérie Wagner selbst , der Hamburger Fotokünstlerin hinter Diesseits, einige der Arbeiten im Hamburger öffentlichen Raum anzusehen und ihren Erfahrungen und Intentionen mit und hinter diesem Projekt zu lauschen. Diesseits ist eine Fotografischer Parcours im Rahmen der zuendegehenden Triennale der Photographie in Hamburg. Fotografie verlässt Galerien und Museen und geht in den öffentlichen Raum.
Diesseits zeigt Nonnen und Mönche in Hamburg. Diese geistlichen Menschen leben aber nicht, wie man meist glaubt in alten Klöstern ausserhalb Hamburg, sondern mitten in der Stadt. Es ist auch nicht die Intention der Künstlerin den Geistlichen zu zeigen, sondern den Mensch das Individuum. Durch die besondere Präsentation der Aufnahmen als Triptycha verhindert Valérie Wagner, das diese Menschen von engstirnigen Personen vorschnell in die klerikale Schublade gesteckt werden, ohne den Menschen überhaupt zu sehen. Jede Arbeit besteht aus drei einzelnen Elementen, ein Kopfportrait oder nur der Ausschnitt des Gesichts, wie nur ein Auge oder ein Ohr, bilden im oberen Bild den Anfang. Das mittlere Bild zeigt die Hände. Für dieses Element hat die Künstlerin die Porträtierten gebeten einen Gegenstand in der Hand zu halten, der ihnen persönlich wichtig ist. Sicher sind religiöse Gegenstände, wie die Bibel oder das Kreuz, wichtig im Leben dieser Menschen. Doch gerade diese Gegenstände wollte die Künstlerin vermeiden, um eben den Menschen und nicht den Geistlichen zu zeigen. So halten auf den Bilder die Menschen Gegenstände, wie ein kleines Stoffbärchen, der an eine verstorbene Freundin erinnert, oder einen Apfel, weil Äpfel die Lieblingsspeise sind, in den Händen. Die untere Teil der Triptycha zeigt die Füsse der Porträtierten. Die Füsse sind nackt und die Aufnahmen entstanden in der direkten Umgebung des Ortes, an dem die Nonnen und Mönche mitten in der Großstadt Hamburg leben und wirken. So steht zum Beispiel ein Mönch mit seinen blossen Füssen auf der Rolltreppe der U-Bahnstation Schlump. Die Wahl der Präsentation als Parcours an verschiedenen Gebäuden im Hamburger öffentlichen Raum traf die Künstlerin, um den Weg, der ein Teil des Lebens der Nonnen und Mönche ist, darzustellen. Bei der Wahl der Gebäude ging sie bewusst den Kontrast ein. So hängen zwei Bilder neben einem riesigen, schrillen Werbeplakat an der Hamburger St. Petri Kirche, ruhiges, bescheidenes Leben der Geistlichen im Kontrast zu Konsumterror und Überfluss, oder an der Hamburger Sparkasse, die harte Finanzwelt gegen das offenherzige und hilfsbereite Leben der Nonen und Mönche.
Ich war selten so gefesselt von den Arbeiten eines Projektes. Vor allem von den Geschichten hinter den Gegenstände in den Händen. Ein Mensch, der sonst seine persönlichen Gefühle hinter seine Aufgabe zurückstellt, öffnet ein Stück seines Inneren und zeigt sich als Mensch und nicht in erster Linie als Geistlicher.
Wer nicht mit der Künstlerin selbst unterwegs sein kann, finden die Geschichten im Katalog zur Serie. Zusätzlich findet sich im Katalog zu jeden Bild ein kurzes Statement des Porträtierten über seine Gedanken zum Projekt und was er oder sie während der Aufnahme empfunden hat. Schon das allein ist spannende, vor allem angesichts dessen, das diese Nonen und Mönche sonst nicht unbedingt als Fotomodelle wirken.
Ein guter Startpunkt für den Parcours ist die Hauptkirche St. Petri (für Nichthamburger und Besucher: Mönckebergstrasse, U-Bahn Station Rathaus). Dort kann in einem kleinen Shop der Katalog erworben werden. Weiter gibt es dort ein Faltblatt mit einem Verzeichnis aller Stationen in Hamburg. Für diejenige, die schlechter zu Fuss sind, hängen in der Kirche kleine Versionen aller Bilder. Wer in Hamburg ist, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen den Parcours abzuschreiten und dabei die kurzen Text im Katalog zu lesen. Der Blick auf Nonen und Mönche ändert sich danach nachdrücklich. Zu sehen sind die Bilder noch bis zum 31. Juli.
13. März 2005
UNphotographable ist ein Photoblog mit Fotografien, die nicht gemacht wurden, oder eben ohne Fotografien (Link via kottke.org). Die Idee dazu kam dem Macher während einer Reise nach Äthiopien in Oktober 2004. Im wurde empfohlen seine Kamera zu Hause zu lassen. Als Amateur Streetphotographer schient es keine Option zu sein, die Kamera nicht mitzunehmen. Aber im hautsächlich Islamischen Land zu fotografieren, besonders Frauen, kann Probleme mit sich bringen oder ganz verboten sein. So blieben dem Fotograf hinter UNphotographable während seiner Reise keine Möglichkeit Momente festzuhalten, ausser eben durch Worte. Die Idee zu UNphotographable war geboren. Inzwischen zurück beschreibt er weiter Bilder, die nicht gemacht worden sind. Gleichzeitig bittet er andere Fotografen, die in der Situation waren keine Bilder aufnehmen zu können oder schlicht nicht zu dürfen, ihre Beschreibung und Geschichten der nicht gemachten Bilder zu schicken. Er ist daran interessiert welche anderen Fotografen ebenfalls in solche Situationen waren.
Interessante Idee, Text als Auswege, anstatt die Fotografie oder das Bild ungemacht verstreichen zu lassen. UNphotographable erinnert mich an Henry Cartier-Bresson und sein, wie er es nannte, “Fotografieren mit dem Kopf”. Viele seiner Bilder hat er nicht mit der Kamera festgehalten, sondern nur im Kopf, damit war es für ihn kein Hindernis keine Kamera zur Hand zu haben. Besonders zur Zeit während des Kriegs und in Kriegsgefangenschaft, seine Leica an einem sicheren Ort vergraben, erzählt er über tausende Bilder, die er nur mit dem Kopf gemacht hat. Im Gegensatz zu UNphotographable hat er diese Bilder jedoch nirgends festgehalten oder gar aufgeschrieben. Insgesamt stellt sich dabei die Fragen, ob es überhaupt möglich ist ein Bild in seiner kompletten Wirkung nur mit Worten zu beschreiben oder ob, wie Elfriede Jelinek schreibt, die Sprache zu kleine geworden scheint, um das Bild zu beschreiben. In der Fotografie gibt es dazu zwei Gruppen. Die einen Fotografen stellen mit Aussagen, “wenn ich schreiben könnte, wäre ich Autor geworden”, den Text über die Fotografie. Für sie scheint das Foto ein Ausweg zu sein, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, sich textlich ausdrücken zu müssen. Ein Beispiel für diese Gruppe ist wieder Henry Cartier-Bresson und die Aussagen in seiner Biographie, aber auch ein moderner Fotograf hat diese Aussage während einer Ausstellung benutzt, die ich besucht habe. Für die andere Gruppe ist die Sprache zu klein, zu ihr gehört Elfriede Jelinek oder auch der Spruch “Bilder sagen mehr als tausend Worte”.
Ich selbst tendiere eher zur zweiten Gruppen. Obwohl ich glaube, dass die beiden Ausdrucksformen einfach zu unterschiedlich sind, um miteinander verglichen und gar gegenseitig substituiert zu werden. Auf keinen Fall würde ich die Fotografie unter die Literatur stellen und Fotografie nur als Ausdruck zu verwenden nur, weil ich kein Autor bin. Zu viel Unterscheidet beide Künste und zu viel ist abhängig von der Form, in der man sich am Besten selbst ausdrücken kann. Das ist ein, wenn nicht der, Grund beide auf die gleiche Ebene zu stellen. Beides ist ein Form die eigenen Gedanken auszudrücken mit dem Unterschied, dass bei den einen die Gedanken in Worten existieren, bei den anderen in Bildern. Am Ende geht aber immer nur um diesen Ausdruck der Gedanken.
20. Februar 2005
Es gibt auch Menschen, die genau wie die Macher hinter ”SnowCrystals” (Simplephotography berichtete) der derzeitigen Kälte und dem Eis noch etwas Positives abgewinnen können. Einer diese Menschenschlags ist D. Himres mit seiner Arbeit ”Ice Photographs”. Er hat ungefähr 1.500 Fotografien von verschiedenen Eisformationen angefertigt. Die Modell sind in verschiedenen Haushaltgeräten, wie Schüsseln oder Vasen, gefrorene Eisstücke. Doch nicht ganz so angetan von der Kälte hat er alle Aufnahmen im Studio gemacht, was das Ergebnis aber nicht im mindern schmälert. Die besten Aufnahmen der Arbeit präsentiert er in seiner Galerie ”Ice Photographs”.
Faszinierende Bilder in technischer Perfektion aufgenommen lassen Kälte und Eis in Bewunderung erscheinen. D. Himres hat für diese Arbeit absoluten Respekt verdient. Natürlich wegen des Ergebnisses aber auch wegen der Ausdauer und Geduld für 1.500 Aufnahmen. Vielleicht ist dies auch ein Anlass für alle Fotografen zu akzeptieren, dass die Ausbeute bei der Arbeit meist verschwindend, fast schon frustrierend, gering ist und dabei die Motivation nicht zu verlieren.
14. Februar 2005
Time ist eines der älteste yearly Fotoprojekte, dass ich kennen. Unter Umständen ist er das Älteste überhaupt. Lange vor der Digitaltechnik, vor dem Internet und bevor Weblogs dem Zeitintervall eine neue, stärkere Bedeutung zumessen hat der Argentinier Diego Goldberg 1979 sein Projekt gestartet. Mit Disziplin hat er am 17. Juni jedes Jahres seine Familie, um, wie er schreibt, die Zeit ein Moment anzuhalten, fotografiert. Zuerst waren nur seine Frau und er selbst das Motiv, danach nach und nach wurden auch seine drei Kinder Teil des Projekts.
Ein interessantes Projekt und eine wunderschöne Erinnerung für die Familie Geoldberg. Die Veränderung der Familienmitglieder und das Aufwachsen der Kinder wird eindrucksvoll dokumentiert. Besser als auf normale Familienfotos, die die Veränderung nur am Rand erkennen lassen, weil die Bilder weniger vergleichbar sind, werden die Jahre und die Entwicklung dargestellt. Schöner Lohn für viele vergangene und zukünftige Jahre disziplinierte Arbeit.
13. Februar 2005
Die Portraitfotografie gehört zu den anspruchsvollsten Themen, denen sich ein Fotograf widmen kann. Noch einen Schritt darüber hinaus geht die Aktfotografie. Zu schnell werden Aktbilder von vielen in die pornographische Ecke gestellt auch, weil die Wirkung der Bilder stark von den Fähigkeiten des Fotografen abhängt. Die Aktfotografie bildet die Ästhetik des menschlichen Körpers und damit der Natur, ohne jeglichen sexuellen Hintergrund, ab.
Die Fotografen Sonja Hünecken und Michael Inselmann haben nach der Semesterakte 04/05 mit der Semesterakte 05/06 einen weiteren Kunstkalender produziert. Die Semesterakten sollen jeweils einer studentische Fachschaft, neben der finanziellen Unterstützung, eine Möglichkeit geben ihr Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen.
Für die Semesterakte 05/06 standen 25 Sportstudenten der Universität Kiel Modell. Daraus entstand ein Kalender mit 25 ästhetisch schöne und spannungsgeladene Kunstaktaufnahmen unter dem Motto:
“Aktiv für Bildung!”
Rette sich wer kann - Wir können!
Pro Monat stehen jeweils 2 Fotografien zur Auswahl. Ein Ausschnitt daraus kann in einer Galerie bewundert werden. Mit den Aufnahmen wollen die Studenten die finanziellen Mittel für einen Sportdozenten selbst erwirtschaften.
Positiv fällt auf, dass das gesamte Projekt nicht in die negative oder pornographische Ecke gedrängt wird. Zu keine Zeit steht die Semesterakte unter dem Eindruck, die finanzielle Situation zwingt die Studenten zu Nacktaufnahmen. Bei der Intention der Studenten sich an diesem Projekt zu beteiligten stand vielmehr der Wunsch auf ihrer Situation aufmerksam zu machen im Vordergrund. Zusammen mit der Fähigkeit der Fotografen ist so ein ästhetischer und sehenswerter Kalender entstanden. Auf den die Kieler Studenten nicht ohne Grund stolz sein können.
Bestellt werden kann der Kalender in A2 Format für 23,50 EUR. Die Auflage ist auf 3.000 Stück begrenzt. Die gleiche Auflagenzahl des letztjährigen Kalenders wurde komplett in die ganze Welt verkauft.
09. Februar 2005
Die Natur braucht keine bewusste Bildgestaltung. Dinge, wie der Goldene Schnitt oder Harmonien, sind Teil der Natur. Sie zeigt uns immer wieder ihre Schönheit in atemberaubenden, faszinierenden Bildern. So wie die Fotografien von Schneekristallen bei SnowCrystals.
Doch lässt sich die Natur viele diese Bilder nur mit entsprechender Passion und der Bereitschaft für einen hohen Aufwand entlocken. Das fängt mit der Macrofotografie an und geht bis hin zur Mikroskopfotografie oder, weil das Motiv empfindlich und vergänglich ist. Gerade diese Vergänglichkeit der Schneekristalle zwang die Wissenschaftler hinter SnowCrystals sich einen besonderen technischen Aufbau zu überlegen. Sicher eine wenig stolz darauf, haben sie die Entstehung in einem ausführlichen Artikel dokumentiert. Nur soviel, ein einfaches Makroobjektiv reichte hier nicht mehr aus. Aber wer die entstanden Bilder sieht, wird zustimmen, dass dieses Ergebnis jeden Aufwand rechtfertigt. Es mag ja sein, dass durch Computersimulationen der nötige Aufwand hinfällig wird, aber die dabei entstehenden Bilder werden nie an die Schönheit der Originale heran reichen.