26. November 2006

Telefon (2005)
1965 geboren, arbeitet Stefan Heyne seit 1995 neben seinem Hauptberuf als Bühnenbildner auch fotografisch. Diese Wiege der räumlichen Visualisierung auf Bühnen spiegelt sich auch in seiner fotografischen Arbeit wieder.
Das Betrachten der Arbeiten irritiert zunächst. Die Motive verschwinden in der Unschärfe, im Extremfall bis hin zu Abstraktion. Übrig bleiben diffuse Blick auf Szenen oder solche die gesenkt im dunklen verschwinden. Doch sind die Fotografien stets geprägt von sorgfältigen Komposition, Linien- und Lichtführung. Genaue diese sorgfältige Arbeit und ein inneres Gefühl der Bekanntheit übt die Faszination der Arbeiten aus, lässt den Betrachter förmlich daran kleben. Irgendetwas ist da: Das sind keine unscharfe Bilder, sondern Blicke die bekannt vorkommen, ohne zu wissen warum.
Die Arbeiten offenbaren mit der Zeit einen Teil ihres Geheimnisses, mit der Zeit werden die Szenen “scharf”. Plötzlich lassen sich Boote, ein Flur oder ein Tisch, dem Bild entreissen. Stefan Heyne verlässt den Pfad der technisch perfekten Dokumentation und fängt Blicke ein. Er arbeitet gegen die Fotografie, gegen ein Medium das eigentlich naturgetreu und dokumentarisch wiedergeben soll, so zumindest eine vordergründig geprägte Meinung.

Kantine I (2005)
Der Mensch ist dazu erzogen “scharf” und klar zu sehen und nur diese Bilder werden bewusst wahrgenommen. Unser Sehen verarbeiten aber weit mehr Eindrücke. Rein anatomisch sieht das Auge nur in einem Winkel von circa 2° scharf, der Rest ist Augenbewegung und Unterbewusstsein. Genau auf diese Blicke im Unterbewussten zielen die Fotografien von Stefan Heyne, jene Eindrücke in den Augenwinkeln oder jene, die wir in Gedankenverloren aufgenommen haben. Das Gehirn kennt die Eindrücke ohne, dass sie uns bewusst sind. Stefan Heynes Arbeiten holen diese Blick hervor, wenn auch nur mit ein wenig Arbeit und ohne vordergründig darauf zu stossen.
Was war euer erste Gedanke beim Betrachten der Bilder, wie hat es sich mit der Zeit entwickelt, liebe Leser?
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Künstlers.
12. November 2006
Bei Jörg Colberg habe ich die Arbeit ”Supervisions” des Deutschen Fotografen Andreas Gefeller entdeck. Zuerst fühlte ich mich an die Serie ”Kopfüber” von Dirk Brömmel erinnert. Beide Künstler richten den Blick auf ihre Motive, technisch perfekt, direkt nach unten in eine konstruierte Vogelperspektive. Alle Bildteile ausserhalb des eigentlichen Motiv sind sorgfältig entfernt.
Doch im Gegensatz zu Dirk Brömmel, der seine Arbeiten in einem Stück von einem sehr erhöhten Standpunkt anfertige, arbeitet Andreas Gefeller mit einer Vielzahl von Einzelaufnahmen aus 2m Höhe. Die er am Computer zur fertigen Arbeit zusammensetzt.
Der Betrachter sieht die Welt wie ein Riese, weit weg vom Motiv. Es scheint als wäre das Dach wie ein Deckel abgenommen worden. Alle Szenen haben ihre Benutzung schon hinter sich, lediglich die Spuren dieser Benutzung - Abgenutzte Stellen des Teppichs, verblichene Bereich im Rasen - lassen den Betrachter allen Freiraum für eigenen Interpretationen der vergangen Geschehnisse. So zeigt sich bei aller kalten, technisch perfekten Geometrie die menschlichen Spuren einer Zivilisation.
02. März 2006
Die Augen sind der Spiegel der Seele, Melanie Wioras fotografische Arbeit hat bei weitem nichts von der sonst etwas angestaubten Wirkung dieser Phrase. Nah geht sie ran an ihre Modelle, so nahe, bis sich die Portraits und die in den Augen spiegelnde Aussenwelt in Fragmente auflöst. Die Arbeiten der Serie Eyescape I bis III und Personal Reflections zeigen, wie der Mensch seine visuelle Umgebung im Inneren reflektiert, umgesetzt in einer besonderen Interpretation. In Außen ist in mir findet Sie eine neue bildliche Richtung sich dem Thema zu nähern. Die Wahrnehmung und Interaktion mit der Umgebung verschwindet in den Gedanken aus dem direkten Fokus des Blicks und dennoch bleibt die Beziehung präsent. Das Sujet hat seinen Blick schon lange abgewendet und doch bleibt der aufgenommene Eindruck vorhanden, wenn er auch in der Unschärfe verschwindet und sich dabei mehr auf den Eindruck als auf Details richtet. Ständig ist der Betrachter versucht die Bilder durch eigene Assoziation zu schärfen und dennoch bleibt ihm nur der Eindruck von Innenansichten in der bildliche Darstellung wie Menschen durch Erfahrung und Erinnerung ihre Umgebung einordnen. Genau dieses Verschwommene der Gedanken steht hinter den Werken zur Serie Anwesend - Abwesend, die Person ist physisch anwesend und doch verhindert die geistige Abwesenheit die klare Fokussierung. Während bei Eyescape und Personal Reflections die Veränderung durch die Art der Aufnahme erreicht wird, geschah dies bei Anwesend - Abwesend und Außen ist in mir durch digitale Bearbeitung. Immer vor dem Hintergrund das dokumentarische der Fotografie zu verlassen.
Zu sehen sein werden die Arbeiten als nächstes vom 6. Mai bis zum 3. Juni im Kunstverein Trier.
23. Januar 2006
Gute Aussichten, der 2004 aus der Taufe gehobene bundesdeutsche Wettbewerb für Diplomarbeiten aus fotografischen Fachbereichen, zeigt sich erfolgreich im zweiten Jahr. Aus den 94 Einsendungen, gegenüber 60 Einsendungen zur ersten Austragung, wählte die Jury 13 Arbeiten aus. Eine Ausstellung der Wettbewerbsgewinner befindet zur Zeit auf Tournee durch Deutschland. Nach dem Start in Berlin sind die Arbeiten noch bis zum 29.01.06 in dem Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Als nächstes folgen Dortmund, Frankfurt und München. Zudem sind, dank einer Kooperation mit dem Goethe Institut, ausgewählte Arbeiten der Jahre 2004 - 2006 in Rabat, Washington, Casablanca und Algier zu sehen. Genauere Informationen zu Orten und Terminen bietet die Internetseite des Wettbewerbs, genauso wie Arbeiten aller Gewinner.
Die ausgezeichneten Fotografien spannen den Bogen von serieller Fotografie über essayistische Inszenierung, wie in Bettina Metzens Serie „Selbstgespräche mit dem Universum“, die deutliche Inspiration an Gregory Crewdson zeigt, bis zu medienreflexsiven Arbeiten hin zur Untersuchung der Darstellungen des dreidimensionalen Raums im zweidimensionalen Bild in Walter Wildangers „Innen-Aussen 2005“. Experimente zur Wahrnehmungspsychologie zeigt Claudia Christoffel. Dazu überklebte sie in „Gaffadream 2005“ entscheidende Teile ihre Bilder mit Klebeband. Die Neugier auf Verborgenes tritt in der Vordergrund. Eindrucksvoll zeigt sich die Abhängigkeit der Menschen vom Sichtbaren. Zusammen mit Delia Kellers filmisch fotografischer Umsetzung Marie Luise Kaschnitzs „Eisbären“ und Kathi Schröders Wandarbeit aus verwobenen Bildstreifen inspiriert von Max Frischs „Stiller“ bietet sich eine spannende Endeckungsreise von klassischer Fotografie bis hin zu kreativen Technikmixturen.
Henning Rogge setzt sich in seiner Serie „Schauinsland“ mit deutschen Aussichtspunkten auseinander. Wie diese Landschaft effizient in kleine vorgefertigte Häppchen aufbereitet ist, von dort muss der Blick am schönsten sein. Eine Auseinandersetzung und selbst Sehen ist nicht mehr nötig, ebenso wenig, wie ein umständliches Erreichen der Punkte. Parkplätze, Wege und Holzplattformen erlauben das Erleben der Landschaft mit großstädtischem Komfort. Nur wenige der Personen auf den Arbeiten weichen von der vorgegebenen Blickrichtung ab.
Ebenfalls mit den Folgen des Versuchs großstädtischen Komfort in die weite Landschaft zu bringen, beschäftigt sich Robert Voit in „Enchanted Wood 2003 bis 2005“. Die Evolution der Bäume findet seiner Meinung nach den vorläufigen Endpunkt in den als künstliche Bäume getarnte Mobilfunkmasten, die die Sujets seiner Werke darstellen. Das ganze entwickelt sich zu einem skurril befremdlichen Motiv des Eindringen menschlichen Fortschritts in die Natur.
Christian Wolter dokumentiert in „Blühende Landschaften 2005“ ostdeutsche Bauruinen, Leerstände und unfertige Strassen 15 Jahre nach der Wiedervereinigung. Absurde Leere verdichtet sich mit dem Eindruck der Misswirtschaft zu bizarr ästhetischen Landschaftsbilder.
Gute Aussichten bietet einen interessanten Rundblick in die derzeitige junge, zeitgenössische deutsche Fotografie.
25. Juli 2004
Wie sieht ein Raum aus, wenn das Interieur unkonventionell zusammengestellt wird? Franziska Sinn hat es ausprobiert und die Ergebnisse im Bild festgehalten. Sie hat Hotelzimmer umgestellt, Gegenstände gestapelt, einfach aufgeräumt oder, den Traum aller Kinder, Höhlen aus den Einrichtungsgegenständen gebaut.
In der Webpräsentation wechseln die Bilderpaare automatisch von Ausgangsraum hin zum modifizierten. So wird die Wechselwirkung, die das Verändern der Räume hat, gezeigt.