21. März 2006
Vor einiger Zeit habe ich bereits über das „Border Film Project“ geschrieben. Für diese Projekt wurden den beiden Gruppen, die sich an der US Amerikanisch Mexikanischen Grenze gegenübersteht, Einwegkameras übergeben. Die illegalen Immigranten und die Minuteman, Privatpersonen, die die Grenze überwachen, wurden gebetene ihre Sicht der Dinge mit diesen Kameras festzuhalten.
Zum Zeitpunkt des letzten Artikel waren noch relativ wenig Fotografien auf der Projektseite zu sehen. Inzwischen sind es deutlich mehr geworden. Die Seite lohnt somit einen weiteren Blick, vor allem auch wegen der Brisanz, die hinter dem Thema steckt.
Interessant sind auch die Ähnlichkeiten in der Bildgestaltungen, die die Macher des Projekt in den Aufnahmen der doch eigentlich sehr unterschiedlichen Gruppen gefunden haben.
26. Oktober 2005
Authentischer kann Reportagefotografie nicht sein. Nicht professionelle Fotografen sind die Künstler des „BorderFilmProject“, sondern Personen, die sonst Sujets der Reportage sind, haben in diesem Projekt ihre Sicht auf die Dinge festgehalten.
Die Initiatoren, drei amerikanische Filmemacher, wollten sehen, wie der Einwanderungsstrom an der mexikanisch/ US-Amerikanischen Grenze aus den Augen eines Einwanderers aussieht. Diese Reise ist etwas, was nach Meinung von Brett Honeycutt, einer der Initiatoren, nur Einwanderer selbst dokumentieren können. Dazu haben sie über 300 Einwegkameras an zwei Gruppen, die sich an der Grenze gegenüberstehen, verteilt. Ein Teil der Kameras wurden mexikanischen Einwanderer und Hilfsorganisationen, die sich in diesem Gebiet engagieren, übergeben. Ebenso wurden einige Kameras an Mexikaner verteilt, die gerade erst in die USA eingewandert sind. Ein weiterer Teil der Kameras ging an die Mitglieder des Minuteman Projekt. Über das Minuteman Projekt unterstützen freiwillige Privatpersonen die amerikanische Grenzpolizei bei der Überwachung Grenze. Den Kameras liegen adressierte und frankierte Rückumschläge bei. Die neuen Künstler in spe erhielten zusammen mit dem Kameras als Anreiz einen Gutschein eines lokalen Einzelhändlers oder einen Benzingutschein über 25 $, der aktiviert wird, wenn die Kamera zurückgesandt wurde.
Die ersten eingetroffenen Bilder zeigen Blicke auf die gleiche Welt, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnte. Auf der einen Seite die Einwanderer, wie sie feixend essen oder die Wunden und Unannehmlichkeiten fotografiert haben. Allen gemeinsam ist ihre Hoffnung auf ein besseres Leben. Die andere Seite zeigt skurrile, bärige Typen, wie sie mit ihrer vor falsch verstandenem Patriotismus geschwellter Brust die Devotionalien derselben, Sternenbanner, Revolver und Truck, vor der Kamera präsentieren.
Die Bilder sollen später auf beiden Seiten der Grenze in Ausstellungen gezeigt werden. Man kann nur hoffen, dass sie zumindest auf der amerikanischen Seite einigen der Möchtegern-Polizisten ihr Tun wirklich vor Augen führen. Auf jeden Fall lohnt es sich das Projekt weiter zu verfolgen, die Webseite verspricht weiter neue Bilder und Videos.
22. Juli 2005
Man kann es nicht oft genug betonen, der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera. Klingt einleuchtend, aber eine Gruppe, hauptsächlich angesiedelt in der Digitalfotografie, sieht das nicht so. Im Irrglauben nur mit der teuersten Luxusausrüstung liessen sich gute Fotos zu Stande bringen, diskutieren sie in epischer Breite vor jedem Kauf Stunden in einschlägigen Internetforen, welche Ausrüstungsgegenstände die absolut besten sind. Selbst marginale Unterschiede werden aufgeblasen. Nach dem Kauf wird die Zeit nicht mit der eigenen kreativen Arbeit, sondern mit stundenlangen Testsessions verbracht. Die Motive sind vorzugsweise Schrauben, Flaschen und andere Testaufbauten. Für die gestalterische Arbeit bleibt so selbstverständlich keine Zeit mehr, ist aber auch nicht wichtig, so lange die Ausrüstung die richtige ist. In die Ergebnisse der Tests werden, meist nicht vorhandene, Unzulänglichkeiten der gerade erworbenen Gegenstände “hineininterpretiert” und diese unzulängliche Qualität wiederum in der gleichen epische Breite wie vorher diskutiert. Die wirkliche fotografische Arbeit wird zur Nebensache. Für die Benutzer billigerer Ausrüstung bleibt nur ein verächtlicher Blick übrig. Damit lassen sich ja keine guten Bilder anfertigen!
Dieses Weltbild mit dem Fetisch luxuriöser Digitalkameras als Basis guter Bilder hebt der Magnum-Fotograf Alex Majoli komplett aus den Angeln. Er zeigt Fotojournalismus der Spitzenklasse mit ausdrucksstarken Arbeiten. Aufgenommen in China, im Kongo oder im Irak. Diese atemberaubenden Bilder entstehen nicht mit einer “professionellen” Kameraausrüstung, sondern er verwendet einfache, digitale Kompaktkameras, keine Spiegelreflex, nicht mal einen externen Blitz . Auch von einigen Kollegen belächelt, nennt er als Grund sein Interesse daran, eine Kamera zu finden, die es im ermöglicht auf neuen Wegen auf seine Motive zuzugehen. Aber auch des Gewicht spielt für ihn eine Rolle. Sechs seiner Kompaktkameras wiegen in etwa so viel wie eine 1D Mark II, das grosse Profimodell von Canon. (via Rob Galbraith)
Seine Arbeiten geben ihm mehr als Recht, ebenso wie seine Auszeichnungen (z.B. Magazine Photographer of the Year), und sollten sowohl die spottenden Kollegen als auch die technikverliebten Amateure zum Schweigen und Nachdenken bringen.
Alex Majoli zeigt eindrucksvoll: Der Fotograf macht die Bilder und nicht die Kamera.
06. Juni 2005
Der Schwedische Fotograf Toni Poikeljärvi war mit der Kamera im Kosovo des Jahres 2005 unterwegs. Veröffentlicht hat er seine schwarz/ weiß Fotoreportage unter dem Title Kosovo2005. Die Bilder zeigen ein immer noch vom Krieg gezeichnetes Land. Aber auch Menschen mit Hoffnung, die bereits ihr Lachen wiedergefunden haben, ebenso wie Soldaten, die weit entfernt von ihrer Heimat ihren Dienst verrichten. Eindrucksvoll hält Toni Poikeljärvi den Gesichtsausdruck der Soldaten fest, der von dem positiven Gefühl geprägt ist, den Menschen zu helfen. Genau das Gefühl, das diese Menschen zur ihrer Arbeit motiviert. Die Bemühungen der Bevölkerung durch ein normales Leben die Erinnerungen des Kriegs ein für alle Mal in die Vergangenheit zu verbannen, zeigt er mit Motiven von Strassen, auf denen wieder Zivilfahrzeuge unterwegs sind oder mit Hauswänden, die übersät sind von Satellitenschüsseln. Die Arbeiten von Toni Poikeljärvi sind durchzogen von der positiven Atmosphäre eine Neubeginns, der die Schrecken des Krieges vergessen lassen soll.
25. Mai 2005
Fast in jeder Stadt gibt es Taxistände. Die Wagen stehen in einer Ordnung in Reih und Glied. Die Fahrer beschäftigen sich mit ihren Wagen, lesen Zeitung oder finden sich zu einer Unterhaltung in Gruppen zusammen. Das Tun wird nur immer wieder unterbrochen, wenn ein Fahrer sich zur nächsten Fuhre aufmacht. Wer selbst noch nie als Taxifahrer gearbeitet hat, beobachtet die Szenerie meist nur von außen und ohne die Tätigkeiten wirklich im Detail mitzubekommen. Man fragt sich, sind das nun Konkurrenten um die nächste Fuhre, die sich durch die Ordnung am Taxistand quasi in einer Zone des Waffenstillstandes befinden, oder sind es Kollegen und Leidensgenossen, die das gleiche Schicksal teilen die Wartezeit irgendwie totschlagen zu müssen.
Die New York Times hat Fahren auf dem riesigen Taxistand des New Yorker Kennedy Flughafens eine Fotoserie gewidmet und erzählt mit Bilder und den Bildunterschriften von dem Sorgen der Fahrer oder, wie sie die lange Zeit, wartend auf die nächste lukrative Fahrt, verbringen.
03. Februar 2005
Vor einiger Zeit habe ich schon mal über die Serie “Contacts” von Arte gesprochen, in dieser Serie habe Fotografen über ihre Arbeit gesprochen, während die besten Werke gezeigt wurden. ”The Photography Channel” präsentiert auf die gleiche Weise, jedoch unabhängig von Sendezeiten, dafür im Quicktime- und Windows Media Format. Der “Photography Channel” beschreibt sein Arbeit selbst als:
Photographic Storytelling For The Modern Media
Wie schon bei “Contacts” wird auch hier die Kombination aus Fotografien, Interviews mit Fotografen und Audio Material verwendet, um die Arbeiten in einer besonderen Art zu präsentieren. Fotografie wird kombiniert mit den Möglichkeiten von Multimedia und des Internets, um die Wirkung der Arbeiten noch zu verstärken . Dabei bleibt bei allem Einsatz der verschiedenen Medien die Fotografie immer im Vordergrund. Gezeigt werden 29 Videos von namhaften Fotografen, jedes zwischen zwei und zwölf Minuten lang in guter Qualität. Hier liegt der einzige Wermutstropfen, ohne schnelle Verbindung wird es kaum ein Erlebnis. Die Stilrichtung bewegt sich in der Reportagefotografie. Jedoch nicht nur zu aktuellen Themen, wie der Krieg im Irak, sondern im gesamten Themenspektrum der Reportagefotografie, zum Beispiel ist auch Lauren Greenfield mit ihrer Arbeit “Girl Culture” vertreten. “The Photography Channel” ist absolut ein Besuch wert. Vor einer derartigen Arbeit, in diesem Umfang, mit diesen Namen, kann man nur dankbar den Hut ziehen. Zumal alles auch noch kostenlos zur Verfügung gestellt wird.
Ich bin ein grosser Fan von solchen Präsentation, in denen Künstler über ihre eigene Arbeit sprechen. Es ist nicht so, dass ich mir die Bilder nicht selbst erschliessen kann. Aber es ist danach immer interessant die eigene Interpretation mit der Intention des Künstlers zu vergleichen. Leider beim “Photography Channel” nicht möglich, sondern nur in einer realen Ausstellung, ergibt sich aus diesem Vergleich dann oft noch eine anregende Diskussion. Letztendlich gibt es noch einen ganz pragmatischen Punkt. Solche Erzählungen und Diskussionen erlaubt es einem Amateurfotograf, also auch mir, mehr für die eigene Arbeit zu lernen als aus jedem Fachbuch.
29. Dezember 2004
Während sich im Fernsehen und in den anderen Medien die “Das war 2004” Sendungen überschlagen, meist begleitet von lautstarken Worten eines Kommentators, hinter die die eigentlichen Ereignisse zurücktreten, lässt die New York Times Bilder sprechen. 2004 The Years in Pictures schließt ohne lärmendes Beiwerk mit emotional geladenen Bildern das Jahr 2004 ab. Reportagefotografie, präsentiert ohne viel Text, nur die stille, nachdenkliche Sprache der Bilder…
26. Juli 2004
Erik Refner präsentiert viele schwarz/ weiss und einige Farbfotos, aber alle einen Blick wert, wenn auch seine monochromen Arbeiten die besten sind.
Fotografisch beschäftigt er sich mit fröhlichen Themen, wie Menschen die im Rock’n’Roll der Fünfziger leben oder älteren Menschen beim Sport. Aber auch ernste Themen, wie das Leben im Bürgerkrieg von Bunia, die Flüchtlinge in Jallozia oder die Mauer in Israel, weiß er gekonnt im Bild festzuhalten. Ein weiterer Teil seiner Arbeiten zeigt Pilger auf dem Web nach Lourdes. Durch seine Bildkomposition und -auswahl dokumentiert er perfekt die Gedanken und Gefühle der Menschen.
Neben vielen weiteren Preisen ist Erik Refner der Gewinner des World Press Photo 2002. Es lohnt sich auf jeden Fall sich seine Fotos anzusehen und auf sich wirken zu lassen.